Bank of China begeistert die Börse

Thursday 8 June 2006

Tsp
(02.06.2006)

Bank of China begeistert die Börse

Am ersten Tag gewinnt die Aktie 15 Prozent. Peking spricht von einem Meilenstein bei der Reform des Finanzsektors

Peking – Die Bank of China (BOC) hat bei ihrem Börsendebüt am Donnerstag in Hongkong einen Traumstart hingelegt. Die Aktien der zweitgrößten Geschäftsbank der Volksrepublik, die bei dem Börsengang 9,7 Milliarden US-Dollar einspielte, schossen am ersten Handelstag um 15 Prozent in die Höhe und übertrafen damit deutlich die Erwartungen. Für Pekings Führung ist dies ein wichtiger Schritt zur Sanierung der ehemals maroden Staatsbanken. Die BOC war nicht nur der bislang größte Börsengang eines Unternehmens der Volksrepublik, sondern auch der weltweit größte seit sechs Jahren.

Schon während der Zeichnungsfrist in den vergangenen Wochen standen in Hongkong Tausende Privatanleger vor Bankfilialen Schlange, um die Aktie zu bekommen. Mehr als eine Million Hongkonger, jeder Sechste der erwachsenen Gesamtbevölkerung der ehemaligen Kronkolonie, hatte sich für die Erstausgabe angemeldet. Die BOC-Aktie war 70-mal überzeichnet. Bei dem Börsengang wurden zunächst nur 10,5 Prozent des Aktienkapitals angeboten – insgesamt 25,57 Milliarden Anteile. Mit einem hochgerechneten Marktwert von 82 Milliarden Euro ist die BOC damit auf einen Schlag die elftgrößte Bank weltweit.

Xiao Gang, der Vorsitzende der Bank of China, sieht in der starken Nachfrage einen Beweis für das „volle Vertrauen“ der internationalen Investoren und einen „Meilenstein“ bei der Reform des chinesischen Finanzsektors. „Das ist ein neuer Schritt für Chinas Banken auf dem Weg zum Markt“, kommentierte das „China Effekten Journal“.

Pekings Regierung muss seine ehemaligen Staatsbanken durch die Umwandlung in Aktienunternehmen fit für den internationalen Wettbewerb machen. Die Abkommen zu Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation sehen ab Ende 2006 den freien Marktzutritt von ausländischen Banken in China vor. Vergangenen Oktober war bereits die China Construction Bank erfolgreich an die Hongkonger Börse gegangen. Für den Spätherbst erwarten Beobachter den Börsengang der Industrial and Commercial Bank of China, dem mit 18 000 Filialen größten Finanzinstitut Chinas.

Mit den dabei eingenommenen Milliarden wollen die ehemaligen Staatsbanken ihre Computersysteme, die Filialnetze und das Management modernisieren. Die Bank of China, mit 11 000 inländischen Filialen das zweitgrößte Finanzinstitut der Volksrepublik, holte sich dazu bereits ausländische Banken und strategische Investoren ins Boot. Beteiligt sind die Royal Bank of Scotland, das Investmenthaus Merrill Lynch und Singapurs Temasek Holding.

Die Anleger hoffen, über die Bankaktien von Chinas Wirtschaftsboom zu profitieren. Allerdings werden in der Euphorie die Risiken übersehen.
Chinas Banken sind berüchtigt für ihr Missmanagement und Korruption. Der frühere BOC-Vorsitzende Wang Xuebing wurde wegen Bestechung zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, ein anderer ranghoher Manager sogar zum Tode. Im November wurden Medienberichten zufolge bei der BOC 3045 Angestellte wegen Untreue und anderer Vergehen bestraft.

Das größte Risiko sind jedoch die faulen Kredite. Zwar ist nach einer Finanzspritze durch den Staat der Anteil der nicht mehr einzutreibenden Darlehen der Bank of China von 33 Prozent vor drei Jahren auf 4,4 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Nach Ansicht ausländischer Experten sitzen Chinas vier Großbanken jedoch noch immer auf mehreren hundert Milliarden Euro fauler Kredite. Sollte die derzeitige Immobilienblase in China platzen oder das Wirtschaftswachstum zurückgehen, könnte es für die Banken eng werden. Harald Maass http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/archiv/02.06.2006/2570171.asp

 

 

Welt
“Bank of China” geht erfolgreich an die Börse Am ersten Handelstag legten die Aktien der zweitgrößten Bank Chinas bereits um 15 Prozent zu. Die Aktienemission für 10,5 Prozent der Anteile brachte 9,73 Milliarden US-Dollar ein.

Hongkong - Die Bank of China hat mit dem weltweit größten Börsengang seit sechs Jahren alle Erwartungen der Finanzwelt übertroffen. Am ersten Handelstag legten die Aktien der zweitgrößten Bank Chinas um 15 Prozent zu. Erwartet worden waren fünf bis zehn Prozent. Die Aktienemission für
10,5 Prozent der Anteile brachte 9,73 Milliarden US-Dollar (7,6 Mrd
Euro) ein. Das Debüt der ältesten Bank im Reich der Mitte ist der größte Börsengang eines chinesischen Unternehmens überhaupt. Bankchef Xiao Gang sah in dem erfolgreichen Börsenstart ein Zeichen des Vertrauens internationaler Investoren in sein Geldinstitut und Chinas wirtschaftliche Entwicklung insgesamt. „Ich freue mich, daß alles so gut gelaufen ist“, zitierten ihn chinesische Medien.

Nach dem Marktwert steht die Pekinger Bank of China jetzt mit 106,7 Milliarden US-Dollar weltweit auf dem achten Platz. In Reaktionen in China hieß es, das erfolgreiche Debüt demonstriere Zuversicht in die rasant wachsende chinesische Wirtschaft. Die Bank of China werde viele Erfahrungen sammeln, die für Börsengänge anderer staatlicher Banken nützlich sein können, kommentierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das Finanzinstitut übertraf bei seinem Debüt noch die China Construction Bank, die im Oktober 2005 für 9,2 Milliarden US-Dollar als erste der vier großen chinesischen Staatsbanken an den Aktienmarkt gegangen war.

Der Erfolg in Hongkong ebnet den Weg für die ebenfalls in diesem Jahr geplante Aktienemission der größten chinesischen Staatsbank, der Industrial and Commercial Bank (ICBC), die mit erwarteten zwölf Milliarden US-Dollar noch größer werden dürfte. Weltweit erfolgte der letzte größere Börsengang 2000 durch die Mobilsparte von AT&T mit 10,6 Milliarden US-Dollar. Die Bank of China will voraussichtlich bald auch an einen anderen chinesischen Börsenplatz gehen, voraussichtlich nach Schanghai. Doch gibt es noch „keinen Zeitplan“ dafür, wie Verantwortliche betonten.

Die 25,57 Millionen Aktien wurden in Hongkong in der Zeichnungsfrist bei dem 2,18-fachen des Buchwertes angeboten - weniger als die Construction Bank mit dem 2,42-fachen. Deren Aktien haben seither um die Hälfte zugelegt. Der Handel in Hongkong profitierte zunächst von der besseren Stimmung nach der Erholung der Wall Street, doch schloß der Hang Seng Index am Ende doch wieder um 1,3 Prozent niedriger. Der Index war seit Beginn der Zeichnungsfrist für die Bank of China am 11. Mai bereits um 7 Prozent gefallen.

Die Investoren hatten sich aber nicht von den Korruptionsskandalen in dem Bankhaus oder Sorgen um den Berg fauler Kredite im chinesischen Finanzwesen irritieren lassen. Da die Bank of China und die anderen drei großen Staatsbanken im Mittelpunkt der chinesischen Finanzreform stehen, setzten internationale Investoren darauf, daß hier „nichts schief laufen darf“, wie ein Finanzmanager sagte.

Mit der Ausübung der 15-prozentigen Mehrzuteilungsoption könnten am Ende sogar 11,1 Milliarden US-Dollar für dann 11,9 Prozent des Kapitals herausspringen. Mit dem Erlös und weiteren Umstrukturierungen will sich die Bank of China auf den stärkeren Wettbewerb im nächsten Jahr vorbereiten, wenn weitere Beschränkungen für ausländische Banken in China nach den Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO) fallen sollen.
Die 1912 gegründete Bank of China betreut über 11 000 Filialen mehr als 110 Millionen Kunden. WELT.de/dpa

Artikel erschienen am Do, 1. Juni 2006
http://www.welt.de/data/2006/06/01/899260.html


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